Taksin – der Fall

Fortsetzung von Taksin – der Phönix

Der Fall

Phönix fällt. Ob es sich um Caesarenwahn oder einfach nur um brutales Vorgehen gegen Korruption und Widersacher in Zeiten der Krise handelt, bleibt unklar. Jedenfalls endet der kometenhafte Aufstieg jäh. Taksin greift zu drakonischen Maßnahmen gegen seine Untertanen, lässt Mönche auspeitschen, meditiert selbst stundenlang und möchte als Gottheit („Sotapanna“) verehrt werden. In den letzten Jahren seiner Regentschaft macht sich Taksin unter der Mönchsschaft und den einflussreichen Familien Siams viele Feinde. Auch die Berichte französischer Missionare deuten in diese Richtung:

Cette dernière année, les vexations de ce roi, plus qu’à demi-fou, furent encore plus fréquentes et plus cruelles qu’auparavant; il faisoit emprisonner, mettre .aux fers, rouer de coups, suivant son caprice, tantot sa femme, tantot son fils, heritier presomptif, tantot ses premiers officiers. Il voulait obliger les uns a avouer des crimes dont ils etaient innocents, afin de les condamner ensuite a lui payer une amende qui etait au dessus de leurs moyens… Deux mandarins chretiens souffrirent cruellement de la sorte, et l’un deux mourut sous les coups.“

Bangkok - Großer Palastbezirk

Großer Palastbezirk – Bangkok

„Im letzten Jahr wurden die Willkürakte des Königs, der bereits halb wahnsinnig geworden war, immer häufiger und grausamer. Seine Frau, seinen Sohn, den Thronfolger und seine hohen Beamten/Würdenträger warf er ins Gefängnis, ließ sie in Eisen legen und zusammenschlagen. Er wollte, dass sie Verbrechen gestehen, an denen sie unschuldig waren, um sie dann zu einer Geldstrafe zu verurteilen, die über ihren Verhältnissen lag… Zwei chinesische Christen erlitten solch grausame Qualen und einer von ihnen starb unter den Schlägen.“

(Launay, Siam, 309)

Andere Quellen sehen wiederum weniger eine Persönlichkeitsänderung des Königs, sondern die permanenten wirtschaftlichen Probleme, anhaltende Korruption und Hungerepidemien in weiten Teilen des Landes als Gründe für Taksins Niedergang. Diese Umstände könnten ein willkommener Anlass für die alten adeligen Schichten gewesen sein, den bürgerlichen Emporkömmling, der zu einem mächtigen König wurde, loszuwerden (Wyatt, Thailand, 127f). Ob Taksin tatsächlich wahnsinnig geworden war, oder Opfer von Intrigen einflussreicher Feinde wurde, bleibt unklar. Letztendlich wird Geschichte meist von den Siegern geschrieben. In dieser Geschichte handelt es sich hierbei um seinen Heerführer Chao Phraya Chakri und seinem Gefolge.

Gesichter des Todes

Großer Palastbezirk - Bangkok

Großer Palastbezirk – Bangkok

1782 kommt es zur Revolte, die zur Absetzung des Königs führt. Als Chao Phraya Chakri, der sich gerade in Kambodscha befindet, von den Ereignissen erfährt, kehrt er nach Thonburi zurück und lässt die Aufrührer inhaftieren und hinrichten. Aber auch Taksin wird vom neuen starken Mann gefangen genommen. Im April 1782 wird er schließlich für seine Taten schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt, welcher je nach Quelle auf unterschiedliche Art und Weise vollstreckt wird:

1. Enthauptung

Den thailändischen Chroniken nach zu urteilen wird Taksin am 10. April 1782 vor der Festung Wichai Prasit in Thonburi enthauptet.

2. Sandelholzkeule und Samtsack

Die gängige Überlieferung basiert auf den Annamitischen Chroniken (Annam ist eine alte Bezeichnung für Teile des heutigen Vietnams) und besagt, dass Taksin auf für Angehörige der thailändischen Königsfamilie standesgemäße Art beim Tempel der Morgenröte hingerichtet wurde. Hierbei wird der Verurteilte in einen Samtsack gehüllt, unter dem ein Kissen ausgebreitet wird. Sodann wird er mit einer duftenden Sandelholzkeule zu Tode geprügelt. Auch wenn diese Vorgangsweise aus heutiger Sicht absolut absurd erscheinen mag, so sollte die Art der Hinrichtung dennoch eine Ehrerbietung an den Hingerichteten sein, denn königliches Blut durfte nicht vergossen werden (Execution, Wikipedia; Wyatt, Thailand, 128).

3. Der inszenierte Tod

Großer Palastbezirk - Bangkok

Großer Palastbezirk – Bangkok

Legenden besagen wiederum, dass ein Stellvertreter getötet wurde und Taksin stattdessen – je nach Legende – als Mönch bzw. als reicher Mann in einem Palast noch viele Jahre lebte (Wyatt, Thailand, 128). Dies wird dadurch begründet, dass Thailand China eine große Summe Geld schuldete und durch den Tod des Königs dieser Kredit hinfällig wurde (Dhani Nivat, Reconstruction, 23; Taksin, Wikipedia EN).

Epilog

Kurze Zeit später lässt sich Taksins einstiger Heerführer, Chao Phraya Chakri zum König krönen. Als Rama I. begründet er die noch heute regierende Chakri-Königsdynastie. Er wird zum legendären König Siams, dem es gelingt, viele der wirtschaftlichen, religiösen und sozialen Probleme des Landes zu überwinden. Er verlegt den Regierungssitz Ende des 18. Jahrhunderts von Thonburi an das östliche Ufer des Chao Phraya.

Bangkok bei Nacht

Bangkok bei Nacht

Hier entsteht Rattanakosin („Indras Juwel“), der gewaltige Große Palastbezirk Bangkoks, welcher in Teilen dem zentralen Königstempel von Ayutthaya nachempfunden ist. Während dessen Errichtung wird Baumaterial aus den alten Ruinen von Ayutthaya herangeschafft. Durch diesen symbolischen Akt tritt Bangkok als Krung Thep Mahanakhon („Stadt der Devas“ – in westlichen Quellen auch als „Stadt der Engel“ bezeichnet) nun auch die offizielle Nachfolge der einstigen Hauptstadt an. Noch heute ist Rattanakosin das politische und religiöse Zentrum Bangkoks.

Literatur:

  • Dhani Nivat, Prince, The Reconstruction of Rama I of the Chakri Dynasty. In: Journal of the Siam Society (Siam Society Heritage Trust) Bd. 43/1,  1955. Zitiert nach: http://www.siamese-heritage.org/
  • Dèmission et massacre de Phaja Tak, Journal de M. Descourvières, Dec. 21, 1782. In: Launay, Adrien, Histoire de la Mission de Siam, 1662-1811, Bd. 2, 1920. Zitiert nach: http://gallica.bnf.fr
  • Harvey, G. E., History of Burma: From the Earliest Times to 10 March 1824, London 1925.
  • Gesick, Lorraine, The Rise and Fall of King Taksin: A Drama of Buddhist Kingship. In: Centers, Symbols, and Hierarchies: Essays on the Classical States of Southeast Asia,Southeast Asia Monograph Series, No. 26., New Haven, Yale University, 1983, S. 87-105.
  • Grabowsky, Volker, Kleine Geschichte Thailands, München 2010.
  • Rajanubhab, Damrong, Rueang thai rop phama khrang krung kao. 1917. Englische Ausgabe: Our Wars with the Burmese. Thai-Burmese conflict 1539-1767. Übers. u. ed. Chris Baker, Bangkok 2001.
  • Sichalalai, Prida, The last year of King Taksin the Great. In: Arts & Culture Magazine, Bd. 3/2, Dezember 1982.
  • Stransky, Jiri, Die Wiedervereinigung Thailands unter Taksin, 1767-1782. In: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft fur Natur- und Volkerkunde Ostasiens, Bd. 56, Tokio 1973.
  • Terwiel, B. J., Thailand’s Political History. From the Fall of Ayutthaya in 1767 to Recent Times, Bangkok 2005.
  • The Abridged Royal Chronicle of Ayudhya of Prince Paramanuchitchinorot, ed. und übers. von David K. Wyatt, Journal of the Siam Society 61, 1973, S. 25-50. Zitiert nach: Siamese Heritage http://www.siamese-heritage.org
  • The Royal Chronicles of Ayutthaya – A Synoptic Translation. Übers. von Richard D. Cushman, ed. David K. Wyatt, Bangkok 2000.
  • Trakulhun, Sven: Siam und Europa. Das Königreich Ayutthaya in westlichen Berichten 1500–1670, Laatzen 2006.
  • Vliet, Jeremias van, Description of the Kingdom of Siam, übersetzt von L.F. van Ravenswaay. In: Journal of the Siam Society, Jg. 7, 1910, S. 1-105.
  • Wyatt, David K.: Thailand, A Short History, 2. Auflage, Yale 2003.

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By | 2016-10-14T09:01:45+00:00 21 April, 2015|Asien, Beiträge|2 Comments

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